Systembiologie – die Zukunft der Medizin

 „Es wird höchste Zeit, in ein Leben in Gesundheit zu investieren.“ H. Kolbe 1998

April 2022

Haben Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, schon einmal von Systembiologie gehört? Vermutlich nicht. Sie können diesen Wissenschaftszweig, der in der Lage ist, Ihnen ein Leben in Gesundheitzu ermöglichen, kennen lernen – ganz einfach: wenn Sie jetzt weiterlesen.

Die Überschrift dieser Kolumne ist nicht ganz präzise, denn Systembiologen vermessen bereits seit Jahrzehnten das Leben und die Zukunft von uns Menschen. Dank der Systembiologie könnte bereits heute die Medizin, die im Grundverständnis fast immer auf bereits bestehende Krankheiten fixiert ist, von einer Medizin abgelöst werden, die unsere Gesundheit steuert. Wer in der Lage ist, seine Gesundheit selber zu managen, benötigt die herkömmliche Medizin dann im Grunde nicht mehr – eine hochinteressante wissen-schaftliche Welt, die in Deutschland noch fast unbekannt ist, auch in Medizinerkreisen. Für mich nicht nachvollziehbar.

Was ist Systembiologie? Sie ist eine Kombination von drei Methoden: 

1. Das Grundverständnis des Lebensals Prozess, in dem miteinander vernetzte Elemente permanent in Beziehung zueinander  sowie zu anderen lebenden Systemen und zu ihrer Umwelt stehen. 

2. Steigende Qualität und Quantität der verschiedensten Arten von Daten (Big Data). 

3. Eine immer ausgeklügeltere künstliche Intelligenz.

Die Kombination dieser drei Methoden versetzt systembiologisch ausgebildete Ärzte in die Lage, den Gesundheitszustand eines einzelnen hochkomplex organisierten Lebewesens – eines individuellen Menschen wie Sie und ich – zu erfassen. Das ermöglicht – in die Zukunft gesehen – präzise Prognosen zu stellen, was mit diesem Menschen unter bestimmten Umständen geschehen wird. Wissenschaftlich ausgedrückt: den Prozess der Gesundheit mit Hilfe mathematischer Modelle und lernender Algorithmen virtuell von der Gegenwart in die Zukunft fortzuschreiben. 

Praktisch geschieht dies zum Teil über eine Smartwatch, einem Aktivitätstracker, der mit Ihrem Smartphone verbunden ist. In naher Zukunft wird dieser Sensor, der uns unterstützt, gesund zu bleiben, unsichtbar unter unserer Haut implantiert. Er dient uns-nicht umgekehrt. Wenn wir uns als Couch-Potato einen Abend faul vor dem Fernseher räckeln, dabei fette Burger verputzen und drei Glas Rotwein trinken, wird uns lediglich tags darauf empfohlen, ein paar Schritte mehr zu laufen, statt Pommes leckeres frisches Gemüse zu uns zu nehmen und lediglich ein Glas Primitivo di Manduria zu degustieren. Er wird uns befreien – von den vielen einengenden, stressenden Anweisungen der Gesundheits-Gurus und ihrem nerven-den Ratgeber-Gehabe.  

Und er wird dazu beitragen, uns von einer der größten Schwächen des derzeitigen Medizinbetriebs zu schützen: einer Medizin, die nicht individualisiert agiert, die uns behandelt wie Null-acht-fünfzehn-Menschen, ganz gleich ob wir Männlein oder Weiblein sind, schlank oder adipös, sportlich oder unsportlich, Teenies oder Senioren, weshalb sie viele unnötige oder sogar falsche Empfehlungen gibt. Und das Wichtigste: wir werden nicht mehr so oft ein schlechtes Gewissen haben, weil wir uns vermeintlich nicht gesund genug verhalten – was auch immer das sein mag. 

Wenn Sie mir jetzt entgegnen, dass es Ihnen stinkt, ständig von irgend einem technischen Schnickschnack überwacht zu werden und präventive ärztliche Untersuchungen für Sie Zeitverschwendung sind und Geld kosten, ist das nachvollziehbar. Ich bitte Sie aber, zwei Minuten über Folgendes nachzudenken, zwei Minuten, die Ihnen zehn Jahre Leben in Gesundheit zusätzlich bringen können: Wenn Sie krank werden und eventuell sogar stationär behandelt werden müssen, kostet das Sie bzw. Ihre Versicherung ein Vielfaches an Zeit und Geld. Und das Unangenehmste: es kostet Sie Lebensqualität!Ist es etwa angenehm, von Ihrem 80. Lebensjahr an, den Rest Ihres Lebens (und das können gut und gerne noch 15 Jahre sein) dement in einem Pflegeheim zu verbringen oder an einen Rollstuhl gefesselt in völliger Abhängigkeit bis zu Ihrem Tod dahinzuvegetieren?

Dank der Fortschritte aber, die wir Mediziner mit der Präzisionsmedizin erzielt haben, sind wir endlich in der Lage, einen intelligenten Lifestyle und die Einnahme von Substanzen zu empfehlen, die die negativen Folgen des Alterns mildern. Diese Moleküle werden individuell und personalisiert dem Stoffwechsel des Einzelnen angepasst. 

Meine Frau und ich, und der Großteil meiner Freunde, Bekannten und Patienten haben gewählt: Wir nutzen die Vorteile der Systembiologie-Medizinbereits seit über zwei Jahrzehnten. Wir fühlen uns wohl, sind immer noch begierig, Neues zu lernen und Abenteuer zu erleben. Wir reisen viel, kochen gerne und fantasievoll, besuchen aber auch Restaurants mit interessanter Küche. Wir nehmen virtuell und präsent an Kongressen teil, gehen ins Theater. Nicht wenige aus unserem Bekanntenkreis musizieren, tanzen oder betätigen sich sportlich. Eine ältere Dame (sie wird sage und schreibe demnächst 88) hat sogar ihre eigene Band! Wir lesen gerne und viel und manche schreiben gelegentlich ein Buch. Ein an-genehmer Lifestyle – sicherlich besser, als sein Leben in Arztpraxen, Krankenhäusern und Altersheimen verbringen zu müssen.

Dank der rasanten Fortschritte von Biologie und Informatik hilft uns die Systembiologie, die beste aller möglichen Zukünfte auszuwählen: Gesundheit kostet zwar Zeit und Geld – aber nicht viel. Die Belohnung: gesund zu sein, ist angenehm. Krank und leidend zu sein ist exorbitant teuer, zeitaufwendig und tut darüber hinaus noch weh – sowohl dem Körper, als auch der Seele…

P.S. Ich empfehle denjenigen unter Ihnen, die sich intensiver mit dieser hoch interessanten wissenschaftlichen Welt befassen möchten, die Lektüre des Buchs von Peter Spork “Die Vermessung des Lebens.“

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